Der @SPIEGELONLINE : We waren te goedgelovig met @Bellingcat. Bij Nederlandse media nog steeds doodse stilte.

Was wir aus der Berichterstattung über den Bellingcat-Report lernen

Wer schoss den Malaysia-Airlines-Flug MH17 ab? Seit dem Absturz der Passagiermaschine am 17. Juli vergangenen Jahres suchen Ermittler, Flugexperten und Journalisten nach einer Antwort auf diese Frage.

Ein Recherche-Team von SPIEGEL, "Correctiv" und dem "Algemeen Dagblad" hat deutliche Hinweise darauf gefunden, dass das Flugzeug von einer russischen BUK-Rakete abgeschossen wurde. Die russische Regierung veröffentlicht dagegenimmer neue angebliche Beweise, dass ukrainische Kräfte dafür verantwortlich sind. Das Verteidigungsministerium in Moskau präsentierte dazu am 21. Juli 2014 mehrere Satellitenbilder. Die Aufnahmen sollten Aktivitäten der ukrainischen Luftabwehr am Tag des Absturzes in der Ostukraine belegen.

Nun hat die Investigativplattform Bellingcat zwei dieser Satellitenbilder in einem ausführlichen Bericht analysiert - und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, "dass diese Satellitenfotos falsch datiert und durch die Software Adobe Photoshop CS5 digital verändert wurden." Das stellt die Glaubwürdigkeit der russischen Position in Frage.

Der Absturz des Fluges MH17 ist eine Tragödie, und die Frage, wer dafür verantwortlich ist, beschäftigt auch uns in der SPIEGEL-ONLINE-Redaktion seit knapp einem Jahr. Wir haben viele Artikel dazu veröffentlicht. Auch über die Bellingcat-Analyse haben wir in den vergangenen Tagen ausführlich und an prominenter Stelle auf unserer Startseite berichtet.

Es zählt zu unseren journalistischen Prinzipen, dass wir eine brisante Neuigkeit erst dann als verlässliche Information werten, wenn wir sie aus zwei voneinander unabhängigen, vertrauenswürdigen Quellen erhalten haben. Schätzen wir eine Nachricht als so brisant ein, dass wir sie Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nicht vorenthalten wollen, obwohl wir sie noch nicht eindeutig verifizieren konnten, dann wählen wir eine vorsichtige Formulierung.

So haben wir es bei der ersten Meldung über den Bellingcat-Bericht in der Nacht von Sonntag auf Montag in der Überschrift und im Vorspann getan. Aber im Artikeltext haben wir diese Vorsicht nicht durchgehalten. So endete der Text mit der Formulierung im Indikativ: "Doch nun haben die Experten von Bellingcat eben diese Aufnahme als Fälschung enttarnt." In dieser Eindeutigkeit widerspricht der Satz unseren Prinzipien von journalistischer Sorgfalt. Das trifft ebenso auf eine zweite Meldung zu, die wir am selben Tag auf unserer Startseite veröffentlichten und deren Überschrift lautete "Wie Russland die MH17-Beweise manipulierte"(inzwischen haben wir die Überschrift geändert). Auch hier hätten wir von Beginn an vorsichtiger formulieren und klarmachen müssen, dass es zwar den Vorwurf der Fälschung gibt, dieser aber nicht zweifelsfrei bewiesen ist.

Denn das wurde deutlich, als wir das Thema weiter bearbeiteten - wie wir es immer tun, um einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Nach den ersten Meldungen führten wir ein Interview mit dem Bildforensiker Jens Kriese, der den Bellingcat-Bericht kritisierte und zu dem Ergebnis kam: Die Analyse der Satellitenbilder lässt nicht den Schluss zu, dass Moskau lügt. Das Interview, das wir gestern Vormittag auf unserer Startseite veröffentlichten, ermöglicht es Ihnen, sich ein differenzierteres Bild des Themas zu machen.

Selbstkritisch müssen wir festhalten: Diese professionelle Skepsis im Umgang mit der Quellenlage, das Hinterfragen der Quelle hätten wir bereits in den vorherigen Artikeln stärker zum Ausdruck bringen sollen. Wir lernen daraus und nehmen uns vor, dies in künftigen Fällen zu beherzigen. Denn wir wollen Sie, liebe Leserinnen und Lesern, so aufrichtig und transparent wie möglich über die Weltgeschehnisse informieren. Und natürlich bleiben wir am Thema MH17 dran.
Zum Autor

Florian Harms ist Chefredakteur von SPIEGEL ONLINE.

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